Mitarbeiter-Sharing: Wie Familux Personal über Ländergrenzen hinweg einsetzt
Wenn in Griechenland die Sommersaison endet, steigt in vielen österreichischen und deutschen Ferienregionen der Personalbedarf für den Winter. Familux nutzt diese unterschiedlichen Saisonverläufe gemeinsam mit den griechischen Omicron Hotels, um Mitarbeiter gezielt zwischen den Betrieben einzusetzen.
Das Konzept soll die Personalplanung flexibler machen und zugleich langfristige Beschäftigungsperspektiven schaffen. Im HOGAPAGE-Interview erläutert Laura Schonger, wie das Modell funktioniert, welche Herausforderungen es mit sich bringt und unter welchen Voraussetzungen Mitarbeiter-Sharing auch für andere Hotelgruppen interessant sein kann.
Frau Schonger, wie funktioniert das Mitarbeiter-Sharing zwischen Familux und den Omicron Hotels konkret?
Das Projekt wurde von Michalis Markakis, General Manager der Omicron Hotels, und mir gemeinsam ins Leben gerufen. Die Idee entstand aus unserem Austausch über neue Wege der Mitarbeiterbindung und die Chancen eines saisonalen sowie kulturellen Know-how-Transfers zwischen zwei Familienhotelgruppen.
Die Mitarbeiter der griechischen Omicron Hotels werden vor allem während der griechischen Nebensaison in unseren Resorts in Österreich und Deutschland eingesetzt – insbesondere dann, wenn bei uns in den Wintermonaten der Personalbedarf besonders hoch ist. Die Einsätze werden gemeinsam geplant und orientieren sich an den Qualifikationen sowie den jeweiligen Bedürfnissen der Betriebe.
Aktuell findet der Austausch hauptsächlich in eine Richtung statt. Es gab zwar schon einzelne Einsätze unserer Mitarbeiter in Griechenland, bisher aber noch kein strukturiertes Sharing in beide Richtungen.
Welches Problem wollen Sie mit dem Modell lösen?
Es geht um mehrere Aspekte: Einerseits können wir unterschiedliche Saisonzeiten besser miteinander verbinden und Personal gezielter einsetzen. Andererseits schaffen wir für Mitarbeiter längerfristige Beschäftigungs- und Entwicklungsperspektiven.
Gerade in der Hotellerie ist es wichtig, nicht jedes Jahr wieder ganz von vorne mit der Personalsuche zu beginnen. Wenn Mitarbeiter über mehrere Saisons hinweg in verschiedenen Betrieben und Ländern tätig sein können, profitieren beide Seiten: Die Unternehmen erhalten erfahrene und bereits eingearbeitete Kollegen, während die Mitarbeiter zusätzliche berufliche und persönliche Perspektiven kennenlernen.
Darüber hinaus geht es auch um Wissenstransfer, internationale Zusammenarbeit und darum, voneinander zu lernen.
Wie nehmen die Mitarbeiter das Angebot an, in einem anderen Land zu arbeiten?
Die Rückmeldungen sind sehr positiv. Die Mitarbeiter schätzen vor allem die Möglichkeit, internationale Erfahrungen zu sammeln, neue Arbeitsweisen kennenzulernen und ihre fachlichen sowie sprachlichen Kompetenzen zu erweitern. Gleichzeitig erhalten sie Einblicke in eine andere Hotellerie und können sich persönlich weiterentwickeln.
Auch für die Teams vor Ort ist der Austausch wertvoll. Die griechischen Kollegen bringen viel Gastfreundschaft, Energie und neue Perspektiven mit. Englisch funktioniert dabei als gemeinsame Sprache sehr gut.
Natürlich gibt es auch Herausforderungen. Dazu zählen die Organisation der Anreise, Unterkunft, administrative und rechtliche Fragen, die Eingewöhnung in ein neues Umfeld sowie unterschiedliche Arbeits- und Lebensweisen. Deshalb sind eine gute Vorbereitung, klare Absprachen und eine verlässliche Betreuung während des Einsatzes besonders wichtig.
Was bringt das Mitarbeiter-Sharing für die Personalplanung und die Mitarbeiterbindung?
Für die Personalplanung bedeutet das Modell mehr Flexibilität und eine bessere Nutzung vorhandener Ressourcen. Wir können auf erfahrene Mitarbeiter zurückgreifen, wenn unser Bedarf saisonbedingt besonders hoch ist, und gleichzeitig unseren Partnerbetrieben eine Perspektive für ihre Mitarbeiter während der ruhigeren Zeit bieten.
Unsere Erfahrung zeigt, dass die Bereitschaft für weitere Einsätze sehr hoch ist. Die griechischen Kollegen sind aus unseren Winterresorts mittlerweile kaum mehr wegzudenken. Viele wertvolle Kontakte und Freundschaften bestehen auch über die jeweilige Saison hinaus.
Eine isolierte Aussage zur Entwicklung der Fluktuation lässt sich allerdings nur schwer treffen, weil dabei viele unterschiedliche Faktoren eine Rolle spielen. Klar ist aber, dass internationale Erfahrungen, persönliche Entwicklungsmöglichkeiten und eine längerfristige Beschäftigungsperspektive die Bindung an ein Unternehmen stärken können.
Welche Rolle spielen die unterschiedlichen Saisonzeiten und Arbeitsbedingungen in Deutschland, Österreich und Griechenland?
Die unterschiedlichen Saisonzeiten sind die Grundlage des Modells. Während in Griechenland der Personalbedarf insbesondere in der Sommersaison hoch ist, benötigen unsere Resorts in Österreich und Deutschland vor allem während der Wintersaison zusätzliche Unterstützung. Dadurch lassen sich Beschäftigungsmöglichkeiten über einen längeren Zeitraum miteinander verbinden.
Österreich, Deutschland und Griechenland unterscheiden sich natürlich bei rechtlichen Rahmenbedingungen, Arbeitsorganisation, Vergütung, Unterkunft und Lebenshaltungskosten. Diese Unterschiede müssen transparent besprochen und bei der Planung berücksichtigt werden. Mitarbeiter-Sharing funktioniert nicht nach einem starren Schema, sondern muss immer auf die jeweiligen Betriebe, Positionen und gesetzlichen Voraussetzungen abgestimmt werden.
Der große Vorteil liegt darin, die Stärken und unterschiedlichen Saisonverläufe der einzelnen Standorte sinnvoll miteinander zu verbinden.
Kann Mitarbeiter-Sharing auch für andere Hotel- und Gastronomiebetriebe ein Zukunftsmodell sein?
Ja, ich sehe darin durchaus ein Zukunftsmodell – vor allem für Hotelgruppen oder Partnerbetriebe, deren Saisonzeiten sich gut ergänzen. Voraussetzung ist allerdings eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und eine ähnliche Haltung gegenüber Mitarbeitern und Qualität.
Wichtig sind aus meiner Sicht eine frühzeitige und verlässliche Personalplanung, klare rechtliche und vertragliche Rahmenbedingungen sowie transparente Regelungen zu Gehalt, Unterkunft, Verpflegung, Reise und Versicherung. Hinzu kommen eine gute Vorbereitung und Betreuung der Mitarbeiter, gemeinsame Qualitäts- und Servicestandards und die freiwillige Teilnahme der Beschäftigten.
Mitarbeiter-Sharing ist kein schneller Ersatz für gutes Recruiting und auch keine Lösung für jedes Personalproblem. Es kann aber eine wertvolle Ergänzung sein, wenn die Partner langfristig denken, offen miteinander kommunizieren und wirklich bereit sind, Verantwortung füreinander zu übernehmen.
Herzlichen Dank für das informative Gespräch liebe Frau Schonger!
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(Familux/KAGI)