Börse

Bafin nimmt Tui-Aktienkursbewegung unter die Lupe

Zurzeit überprüft die Finanzaufsicht Bafin, ob es bei der Kursentwicklung des Reisekonzerns Tui vor der Entscheidung über das dritte Hilfspaket zu Unregelmäßigkeiten kam. Angestoßen hat den Prozess der niedersächsische Grünen-Politiker Stefan Wenzel.

Dienstag, 12.01.2021, 10:25 Uhr, Autor: Natalie Ziebolz
Tui-Hauptgebäude in Hannover

Die Bafin überprüft, warum es bei Tui in der zweiten November-Hälfte zuu einem starken Anstieg des Handelswertes der Aktie gekommen war. (Foto: © Tui Group)

Nachdem sich der Haushaltsexperte der Grünen-Fraktion im niedersächsischen Landtag, Stefan Wenzel, an die Finanzaufsicht Bafin gewandt hat, will sich die Bonner Behörde die Bewegung des Tui -Aktienkurses in den Tagen und Wochen vor der Entscheidung über das neue Hilfspaket genauer anschauen. Wenzel sieht Klärungsbedarf bei der Frage, warum es in der zweiten November-Hälfte zu einem starken Anstieg des Handelswerts der Tui-Aktie gekommen war. Am 2. Dezember hatte der Reisekonzern aus Hannover mitgeteilt, dass der Weg für das inzwischen dritte, in großen Teilen staatlich finanzierte „Stabilisierungspaket“ frei sei. Der Bund dürfte im Zuge der Umsetzung Großaktionär bei Tui werden.

Wenzel vermutet verdächtige Geschäfte

„Wie bei Übernahmen Standard, sehen wir uns natürlich auch die Kurs- und Umsatzentwicklung der Tui-Aktie routinemäßig an“, hieß es dazu am Montag von den Finanzmarkt-Aufsehern. Der Vorgang ist insofern nichts Ungewöhnliches. Wenzel vermutet jedoch, dass hinter den Kursänderungen möglicherweise auch verdächtige Geschäfte stecken könnten. Er bat deshalb „um Prüfung, ob dabei gegebenenfalls Informationen zu bereits laufenden Gesprächen oder Verhandlungen über ein drittes Paket zur Stützung der Tui AG (…) von Bedeutung waren“.

Der Grünen-Politiker kritisierte zudem: „Bundesregierung und die Landesregierungen haben der Öffentlichkeit keine wirklich nachvollziehbaren Informationen zur Notwendigkeit der dritten Hilfe, falschen Fortführungsprognosen und den strategischen Plänen von Tui für die Zukunft gegeben.“

Diskussion über Tui-Landesbürgschaft

Aktienhandel mit Insiderwissen über unmittelbar bevorstehende, strategisch wichtige Entscheidungen bei börsennotierten Unternehmen ist illegal. Die Bafin äußerte sich zunächst nicht weiter zum Thema. In Niedersachsen wird auch über eine Tui-Landesbürgschaft gesprochen. Diese ist vor allem in der Opposition aus Grünen und FDP umstritten.

Die Aktionäre des Konzerns hatten in der vergangenen Woche mit großer Mehrheit der erweiterten Unterstützung zugestimmt. Unter anderem kann sich der Staat über den Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) jetzt unter bestimmten Bedingungen mit bis zu 25 Prozent an Tui beteiligen. Bisher gibt es rund 4,8 Milliarden Euro an staatlichen sowie privaten Hilfen und eine Kapitalerhöhung.

(dpa/NZ)

 

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