Olympia-Entscheidung: München geht ins Rennen – Chancen fürs Gastgewerbe
München hat den nationalen Olympia-Entscheid für sich entschieden. Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) am Samstag in Baden-Baden setzte sich die bayerische Landeshauptstadt gegen KölnRheinRuhr durch.
Das Ergebnis fiel deutlicher aus, als es die knappe Bewertung der Konzepte im Vorfeld vermuten ließ: 91 Stimmen entfielen auf München, 50 auf KölnRheinRuhr. Insgesamt wurden 141 Stimmen abgegeben. Die Entscheidung fiel damit bereits im ersten Wahlgang.
Bei der vorangegangenen Bewertung durch die Evaluierungskommission des DOSB hatte München mit 87,03 von 100 möglichen Punkten nur leicht vor KölnRheinRuhr mit 85,02 Punkten gelegen. Beide Konzepte wurden als „sehr gut“ eingestuft. Die Evaluierungskommission betonte sogar, dass beide gemessen an ihrer Bewertungsmechanik für den internationalen Wettbewerb als gleichrangig anzusehen seien.
Mit dem jetzigen Ergebnis steht nun fest: München wird Deutschland im weiteren internationalen Bewerbungsverfahren um die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele vertreten. Im Raum stehen die Austragungsjahre 2036, 2040 und 2044.
Gastgewerbe hatte Münchens Bewerbung unterstützt
Vertreter des bayerischen Gastgewerbes hatten sich im Vorfeld bereits deutlich hinter die Münchner Bewerbung gestellt. Der Dehoga Bayern gehört unter anderem zu den Initiatoren und Unterstützern des Bündnisses Pro Olympia.
Nach der Entscheidung zeigt sich der Verband entsprechend erfreut. „Das ist ein großartiger Tag für München und Bayern. Wir begrüßen die Entscheidung des DOSB für München ausdrücklich“, sagt Dr. Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des Dehoga Bayern. „Sie ist ein starkes Signal für die Landeshauptstadt, für Bayern und nicht zuletzt für unsere Tourismus- und Gastgeberbranche.“
München bringe beste Voraussetzungen, ein starkes olympisches Erbe und breite Rückendeckung mit. „Jetzt beginnt der internationale Weg. Bayern kann Gastgeber für die Welt sein“, betont Dr. Geppert.
Auch die Münchner Hotellerie warb öffentlich für die Bewerbung. Zu den Unterstützern gehört beispielsweise die Munich Hotel Alliance. Der Zusammenschluss vertritt nach eigenen Angaben 31 Luxus- und First-Class-Hotels mit insgesamt rund 8.500 Zimmern und damit etwa ein Viertel der gesamten Münchner Zimmerkapazität.
Bereits vor der Entscheidung hatte die Alliance die Erfahrung Münchens mit internationalen Großveranstaltungen und die Gastgeberqualitäten der Stadt hervorgehoben.
Eine tatsächliche Austragung Olympischer und Paralympischer Spiele würde neben Athleten und ihren Teams auch zahlreiche Medienvertreter, Funktionäre und Besucher in die Region bringen. Damit rücken auch Übernachtungskapazitäten, Gastronomieangebote und die touristische Infrastruktur in den Fokus. Welche konkreten wirtschaftlichen Effekte daraus für Hotellerie und Gastronomie entstehen könnten, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht seriös beziffern.
„Unsere Gastgeber stehen bereit“
Für Dehoga-Landesgeschäftsführer Dr. Geppert reicht die Bedeutung einer möglichen Olympia-Ausrichtung weit über den Sport hinaus. Insbesondere für Tourismus und Gastgewerbe sieht er Chancen, aber auch für zahlreiche weitere Wirtschaftszweige.
„Olympia ist weit mehr als ein Impuls für Tourismus und Gastgewerbe. Von regionalen Lebensmitteln und Getränken über Handwerk, Handel, Logistik und Mobilität bis hin zu Kultur und Dienstleistungen: Ein solches Großereignis schafft Nachfrage, stößt Investitionen an und stärkt Wertschöpfung und Beschäftigung weit über München hinaus“, erklärt Dr. Geppert.
Bereits die Bewerbung rücke München und Bayern international ins Rampenlicht. Olympische und Paralympische Spiele könnten diesen Effekt nach Einschätzung des Dehoga langfristig verstärken und neue Chancen für den gesamten Wirtschaftsstandort eröffnen.
Mit Blick auf die Rolle von Hotellerie und Gastronomie macht Dr. Geppert deutlich: „Wir wollen der Welt zeigen, was Bayern auszeichnet: Weltoffenheit, Lebensfreude und echte Gastfreundschaft. Unsere Gastgeber stehen bereit.“
Was jetzt für Hotellerie und Gastronomie wichtig wird
Auf Nachfrage von HOGAPAGE konkretisiert Dr. Geppert, was aus Sicht des Dehoga nun notwendig ist, damit Münchens Hotellerie und Gastronomie langfristig von einer möglichen Olympia-Ausrichtung profitieren können.
Wichtig sei zunächst, die Branche frühzeitig in die weiteren Planungen einzubinden. Entscheidend sei dabei insbesondere eine verlässliche Verkehrsplanung, die Einbeziehung bereits bestehender Übernachtungskapazitäten und Konzepte sowie die Gäste auch über die eigentlichen Wettkampftage hinaus für München und Bayern zu begeistern.
„Jetzt gilt es, gemeinsam die Bewerbung zu unterstützen und die Spiele tatsächlich nach München zu holen“, sagt Dr. Geppert gegenüber HOGAPAGE.
Gleichzeitig könnten sich die Betriebe bereits in dieser frühen Phase mit möglichen Anforderungen auseinandersetzen. Dazu zählen nach Einschätzung des Dehoga etwa der künftige Personalbedarf, Qualifizierungsmaßnahmen sowie eine stärkere Zusammenarbeit mit regionalen Produzenten und Dienstleistern. „Dafür brauchen sie jedoch rechtzeitig konkrete Informationen zu Standorten, Zeitplänen und erwarteten Besucherströmen“, erklärt der Dehoga-Landesgeschäftsführer.
Gerade darin sieht er die Chance, über die eigentlichen Wettkampftage hinaus nachhaltige Effekte für die Branche zu schaffen. „Olympia kann so Impulse setzen, die weit über die Spiele hinausreichen“, betont Dr. Geppert.
Noch ist München nicht Olympia-Gastgeber
Mit der Entscheidung des DOSB ist allerdings noch nicht entschieden, dass die Olympischen und Paralympischen Spiele tatsächlich in München stattfinden werden. Die Entscheidung in Baden-Baden beendet zunächst lediglich den nationalen Auswahlprozess.
Als deutscher Kandidat muss sich München im nächsten Schritt auf internationaler Ebene gegenüber dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) behaupten. Deutschland hält dabei weiterhin mehrere Austragungsjahre offen. Neben 2036 kommen auch 2040 und 2044 infrage. Für die Spiele 2036 wird eine Entscheidung im Jahr 2029 erwartet.
Für München beginnt damit nach dem Erfolg in Baden-Baden nun die internationale Etappe. Für Hotellerie und Gastronomie wird zugleich konkreter, worauf es in den kommenden Jahren ankommen könnte: frühzeitige Planung, verlässliche Informationen und eine enge Einbindung der Branche.
Ob aus der deutschen Bewerbung am Ende tatsächlich Olympische und Paralympische Spiele in München werden, entscheidet letztlich das Internationale Olympische Komitee (IOC).
(DOSB/Sportschau/Dehoga Bayern/Munich Hotel Alliance/SAKL)