Tourismustrends 2026 in Rheinland-Pfalz: Wellness, alkoholfreier Wein und KI-Buchung
Rheinland-Pfalz steht für Wein und Genuss – doch das waldreichste Bundesland mit Rhein und Mosel bietet Gästen weit mehr als klassische Kulinarik und Wanderrouten. Für 2026 zeichnen sich mehrere Tourismustrends ab:
- Entschleunigung und Wellness gewinnen weiter an Bedeutung,
- alkoholfreier Weingenuss wird stärker nachgefragt und
- Künstliche Intelligenz verändert die Suche und Buchung von Angeboten.
Auch das Ahrtal rückt durch modernisierte Unterkünfte erneut in den Fokus, während Flusskreuzfahrten zunehmend die Nebensaison verlängern.
Entschleunigung: Wellness und Kurzurlaub im Aufwind
Vor allem im Herbst und Winter steht Wellness und Erholung bei einem Kurzurlaub bei immer mehr Touristen hoch im Kurs, erklärt der Geschäftsführer der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH, Stefan Zindler. „Ich möchte mir etwas gönnen“ – dieser Trend habe seit der Coronazeit deutlich zugenommen. Für Gastgeber bedeutet das: Erholungspakete, Spa-Angebote und saisonale Wohlfühlarrangements bleiben wichtige Bausteine, um Nachfrage außerhalb der Sommermonate zu stärken.
Weingenuss ohne Alkohol: Wachstum bei Alternativen
Genießen ohne Alkohol: „Ich glaube, das wird auf jeden Fall ein Wachstumsmarkt“, sagt Zindler. Rheinland-Pfalz sei weiterhin ein klassisches Weinland. Doch zusammen mit Themen wie regionaler Küche, Produkten aus der Region und Nachhaltigkeit werde beim Weingenuss zunehmend auch nach alkoholfreien Alternativen gefragt. Das eröffnet Betrieben im Gastgewerbe neue Chancen – etwa durch alkoholfreie Weinbegleitungen, passende Speisekartenkonzepte und Events, die Genuss und bewussten Konsum verbinden.
Regionale Küche: Qualität statt Häufigkeit
Mit Familie und Freunden in einem regionalen Restaurant schlemmen – dieser Anlasscharakter gewinnt an Bedeutung. Die Rheinland-Pfälzer gehen weniger oft ins Restaurant als Menschen anderswo, berichtet Dehoga-Präsident Gereon Haumann. Bei Feiern, Jubiläen und besonderen Anlässen werde sich dann aber etwas gegönnt und es dürften gerne qualitativ hochwertige Speisen sein. Für Gastronomen liegt der Fokus damit stärker auf Angebotsprofil, Produktqualität und Erlebnis – statt allein auf Frequenz.
Das Ahrtal: Boomregion mit modernisierten Betrieben
Ein Besuch im Ahrtal bleibt ein zentraler Reisetrend. Durch den Neuaufbau nach der Flutkatastrophe 2021 sind Unterkünfte vielfach komplett durchrenoviert, saniert und modernisiert worden. Über die kommenden Jahre werde das Ahrtal beim Standard der Tourismusbetriebe da stehen, wo andere auch hinwollten, ist sich Zindler sicher.
Auch die Infrastruktur verbessert sich: Die Regionalbahnen rollen mittlerweile wieder komplett durch das Ahrtal. Die Strecke zwischen Remagen und Ahrbrück ist wieder durchgängig befahrbar, die Linie wurde elektrifiziert und mit moderner Stellwerkstechnik ausgestattet. Für Gastgeber und touristische Anbieter bedeutet das: bessere Erreichbarkeit und damit neue Potenziale für Kurzurlauber und Tagesgäste.
KI-Assistenten: Suchen und Buchen wird automatisierter
Ein wesentlicher Trend für 2026 ist die fortschreitende Rolle von Künstlicher Intelligenz im Reisevertrieb. Gäste suchen immer mehr mithilfe von KI nach Angeboten, Kapazitäten und Preisen für Übernachtungen, berichtet Zindler. Gesucht werde etwa so: „Buche mir im Zeitraum von bis eine Weinprobe für zwei Personen, maximal dieser Preis, und bezahle das auch. Also buche mir das gleich durch“, so eine Anwendung funktioniere bereits. „Das ist keine Zukunftsmusik.“
Für touristische Betriebe sei es essenziell, dass alle Daten qualitativ hochwertig und aktuell mit Lizenzen bereitstehen. Die KI suche nur in den vorliegenden Daten. Betriebe, die ihre Zimmerkontingente lediglich auf Anfrage mitteilen, fielen damit durch das Suchraster. Zindler erwartet, dass sich das Suchen und Buchen per KI-Assistent schnell verbreitet: „Alles, was Menschen die Komfortzone erhöht, hat sich bisher schon immer durchgesetzt.“
Flusskreuzfahrten: Saisonverlängerung durch neue Programme
Flusskreuzfahrten werden bei Touristen immer beliebter, sagt Zindler. Mittlerweile werden sogar Weihnachtsmarktbesuche in die Programme integriert – „das hatten wir vorher so noch nicht und das verlängert für uns auch die Saison“. Angesteuert werden nicht nur Städte, sondern auch kleinere Orte am Rhein und an der Mosel. Gerade in Koblenz mit seiner Lage am Deutschen Eck, wo die Mosel in den Rhein mündet, sei die Nachfrage nach Flusskreuzfahrten mit Weihnachtsmarktbesuch spürbar gestiegen.
(dpa/SAHO)