
Gute Führung statt großer Versprechen
Vor allem die individuelle Förderung der Auszubildenden gewinnt an Bedeutung. „Junge Menschen erwarten heute mehr Kommunikation, mehr Verständnis und eine intensivere Bezugnahme auf die persönlichen Stärken und Schwächen“, erklärt Baldus. „Wir müssen viel individueller auf die Auszubildenden eingehen. Es müssen mehr Gespräche stattfinden.“ Gleichzeitig habe sich das Verantwortungsbewusstsein bei vielen jungen Menschen geändert. Daher gelte es, Herausforderungen zu schaffen, aber Überforderungen zu vermeiden.
Die veränderte Erwartungshaltung bemerkt auch Torsten Kraft: „Junge Menschen möchten gesehen werden und erwarten, dass man ihre persönliche Lebenssituation berücksichtigt. Gleichzeitig wünschen sie sich Entwicklungsmöglichkeiten und regelmäßiges Feedback.“ Die Leonardo Hotels reagieren darauf mit individuellen Lösungen und setzen unter anderem auf Mentoringprogramme, persönliche Coaches sowie Förderangebote wie den „Stuzubicoach“, „Mapstell“ oder die „Leonardo Academy“. Ziel sei es, junge Talente langfristig zu begleiten und ihnen individuelle Entwicklungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
„Gehalt, zusätzliche Urlaubstage oder andere Benefits sind zwar wichtig, kommen letztlich aber nur on top“, betont Kraft. „Was am Ende wirklich zählt, ist das Leadership in den Abteilungen.“ Der direkte Vorgesetzte und die Ausbilder vor Ort machten den entscheidenden Unterschied. „Wenn diese direkte Führung stimmt, bleiben die Auszubildenden zufrieden, binden sich langfristig an uns und identifizieren sich mit dem Unternehmen.“
Das ist in den Augen des Nachwuchses ein absolutes Plus. „Mir war wichtig, einen Ausbildungsbetrieb zu wählen, der ein gutes Arbeitsklima bietet. Außerdem lege ich Wert auf ein freundliches Team und möchte mich persönlich sowie fachlich weiterentwickeln“, bestätigt beispielsweise Mobina, Auszubildende zur Hotelfachfrau bei den Leonardo Hotels. Sie habe sich unter anderem aufgrund der Qualität und Internationalität für das Unternehmen entschieden.
Für Lea Paulina Merz, Auszubildende zur Hotelfachfrau der Lindner Hotel Group, war ein gutes Arbeitsklima von Beginn an entscheidend: „Mir ist wichtig, dass man keine Angst hat, zur Arbeit zu kommen.“ Sie ist seit ihrem ersten Arbeitstag bei Lindner begeistert: „Man versteht sich mit den Mitarbeitern, sieht alle Abteilungen, kann seine Wünsche äußern und Verantwortung übernehmen“, sagt sie.

Authentizität statt Hochglanz-Recruiting
Doch selbst die beste Ausbildung hilft wenig, wenn potenzielle Bewerber gar nicht erst auf einen Betrieb aufmerksam werden. „Klassische Stellenanzeigen reichen heute längst nicht mehr aus“, erklärt Kraft. „Junge Menschen informieren sich vor allem digital, insbesondere über Social Media.“ Ähnliche Erfahrungen macht auch die Lindner Hotel Group. „Besonders gut erreicht man junge Menschen heute über soziale Medien und branchenspezifische Plattformen“, berichtet Hannah Baldus.
Das Geheimnis hierbei sei aber nicht, einfach mehr HR-Werbung zu posten. „Wir müssen uns mit unseren Stellenausschreibungen von der großen Masse abheben“, erklärt Baldus. Die Lindner Hotel Group wecke vor allem durch kurze, ehrliche Instagram- und TikTok-Videos mit Blick in den Hotelalltag Interesse beim Nachwuchs.
Leonardo Hotels setzt verstärkt auf persönliche Begegnungen, Praktika und direkte Betreuung, oft in Kooperation mit Schulen oder Ausbildungsmessen. Denn laut Torsten Kraft funktioniere ein rein formales Recruiting heute nicht mehr. „Junge Menschen möchten echte Einblicke bekommen und mit Menschen sprechen, die bereits im Unternehmen arbeiten.“
Ausbildung bleibt eine Investition in die Zukunft
Trotz steigender Bewerber- und Ausbildungszahlen bleibt die Nachwuchsgewinnung eine Daueraufgabe. Der demografische Wandel verschärft den Wettbewerb um junge Talente, gleichzeitig konkurriert die Branche weiterhin mit Hochschulen und anderen Wirtschaftszweigen um potenzielle Bewerber. Umso wichtiger wird es für Betriebe, ihre Stärken sichtbar zu machen. Mit einem gutem Gehalt oder attraktiven Benefits allein kann man nicht mehr punkten. Gefragt sind Wertschätzung, Entwicklungsmöglichkeiten, individuelle Förderung und eine Unternehmenskultur, die im Alltag gelebt wird.
Die aktuellen Zahlen zeigen, dass die Branche auf dem richtigen Weg ist. Damit sich dieser Trend fortsetzt, werden Unternehmen auch künftig in Ausbildung, Talentförderung und Arbeitgeberattraktivität investieren müssen. Oder, wie DEHOGA-Hauptgeschäftsführerin Jana Schimke es formuliert: „Nachwuchsgewinnung heißt Zukunftssicherung – für Arbeitgeber wie Beschäftigte.“