
Lernen muss zur Branche passen
Eine weitere Herausforderung ist die Organisation. Hotellerie und Gastronomie sind geprägt von Schichtarbeit, Wochenenddiensten und saisonalen Belastungsspitzen. Klassische Präsenzangebote lassen sich deshalb häufig nur schwer mit Berufsalltag, Familie oder Freizeitaktivitäten vereinbaren.
Umso wichtiger werden deshalb flexible und berufsbegleitende Lernmodelle. Sie ermöglichen es Beschäftigten, sich unabhängig von festen Unterrichtszeiten weiterzubilden und neue Inhalte direkt in den Arbeitsalltag zu übertragen. Auch Betriebe profitieren davon, denn ihre Mitarbeiter bleiben während der Qualifizierung im Unternehmen und können ihr neues Wissen unmittelbar in den Berufsalltag einbringen.
Vorbereitung auf Fach- und Führungsaufgaben
Bei den nachgefragten Angeboten beobachtet das IST-Studieninstitut zwei Entwicklungen: Einerseits sind kompakte, fachspezifische Weiterbildungen stark gefragt, etwa zu Front Office Management, Revenue Management, Food & Beverage Management, HR-Management oder Digitalisierung.
Andererseits entscheiden sich viele Fachkräfte für umfassendere Qualifizierungen wie den Hotelbetriebswirt oder den Gastronomiebetriebswirt, um ihre betriebswirtschaftlichen Kompetenzen
auszubauen und sich gezielt auf Führungs- und Managementaufgaben vorzubereiten.
Der größte Weiterbildungsbedarf liegt nach Einschätzung mehrerer Experten derzeit tatsächlich im Bereich der Führung. Das aktuelle Szenario in der Praxis: Viele Mitarbeiter übernehmen in Hotellerie und Gastronomie früh Verantwortung, oftmals aus dem operativen Geschäft heraus. Sie kennen zwar Abläufe, Gäste und Standards, werden aber auf der anderen Seite nicht immer ausreichend darauf vorbereitet, Teams zu führen, Konflikte zu lösen oder wirtschaftliche Entscheidungen zu tragen.
Gefragt sind nicht nur Fachwissen und betriebswirtschaftliches Verständnis, sondern auch Kommunikationsstärke, Empathie, Entscheidungsfähigkeit und ein wertschätzender Führungsstil.
Emotionale Intelligenz für eine bessere Führung
Alexander Aisenbrey, Founder und Geschäftsführer der Vorreiter AG, sieht genau darin einen zentralen Erfolgsfaktor. Fachliche Kompetenz allein reiche heute nicht mehr aus. Entscheidend sei es, emotionale Kompetenz zu zeigen, also Empathie, Menschenkenntnis, Zuhören, Vorbildfunktion und wertschätzende Kommunikation auf Augenhöhe. „Nur wer Menschen begeistern und motivieren kann, der wird in Zukunft erfolgreich sein“, betont Aisenbrey.
Eng mit diesem Aspekt verbunden ist das Thema Kommunikation. In vielen Unternehmen entstünden Konflikte nicht aus mangelndem Engagement, sondern vielmehr aus unklaren Erwartungen, fehlendem Feedback oder missverständlicher Kommunikation. „Die größte Herausforderung in der Kommunikation ist die Illusion, dass sie bereits stattgefunden hat“, bringt Aisenbrey das Dilemma auf den Punkt. Trainingsangebote zu Feedbacks, Gesprächsführung und zur Konfliktlösung könnten hier helfen, den Arbeitsalltag konkret verbessern.
Weiterbildung als Investition in die Zukunft
Für Arbeitgeber ergibt sich unter diesen Gesichtspunkten eine klare Aufgabe: Weiterbildung sollte nicht isoliert gedacht werden. Vielmehr beginnt sie bei der Ausbildung, setzt sich in Trainings und Schulungen fort und reicht bis zur gezielten Entwicklung von Fach- und Führungskräften. Entscheidend ist dabei, dass Betriebe Qualifizierung konsequent planen, sichtbar machen und im Alltag verankern.
Am Ende geht es bei der Weiterqualifikation nicht darum, seinen Mitarbeitern einen Gefallen zu tun. Stattdessen sichert Weiterbildung die Servicequalität, stärkt die Arbeitgeberattraktivität und macht Betriebe insgesamt anpassungsfähiger für die Herausforderungen der Zukunft. Wer Weiterbildung ernst nimmt, der investiert nicht nur in Wissen, sondern in Stabilität, Führung und Unternehmenskultur. Lernen wird damit zur Führungsaufgabe – und zu einem entscheidenden Baustein, um Hotellerie und Gastronomie zukunftsfähig zu halten.

Nachwuchs braucht Freiraum
Wie wichtig Entwicklungsmöglichkeiten für junge Talente sind, zeigt das Beispiel Jonatan Huynh. Der 20-jährige Koch hat gerade seine Ausbildung im Bremer Restaurant Frölichs abgeschlossen, ist zweifacher Sieger des Milram Cups und bleibt seinem Ausbildungsbetrieb zunächst treu. Ein Grund dafür ist das gute Verhältnis zu seinem Chef. Im Frölichs habe er kreativen Freiraum erlebt und Selbstvertrauen gewonnen.
Sein Beispiel bestätigt: Junge Menschen brauchen nicht nur fachliche Anleitung, sondern auch Vertrauen, Verantwortung und Raum für eigene Ideen. Wettbewerbe wie der Milram Cup können dafür wichtige Lernräume schaffen. Sie ermöglichen es Auszubildenden, ihr Können unter realitätsnahen Bedingungen zu zeigen – unter Zeitdruck, im Team und mit der Notwendigkeit, flexibel auf Herausforderungen zu reagieren.