Gegen das Landgasthofsterben

Forderung nach Finanzhilfen für Gastwirte

Immer mehr Landgastwirte finden keinen geeigneten Nachfolger und müssen ihre Betriebe schließen. Der Dehoga fordert politische Unterstützung. Allerdings liegt es nicht nur an fehlendem Geld.

Montag, 15.04.2019, 11:09 Uhr, Autor: Kristina Presser
Verlassenes Gebäude

Das Gasthofsterben auf dem Land nimmt weiterhin zu (Foto: © Fotolia/Faure)

Die Nachfolgeregelung für Landgastwirte wird immer schwieriger wird, die Schließungen nehmen zu. Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga macht sich daher für eine finanzielle Unterstützung für Landgasthöfe stark. Dafür appelliert er an die Politik und fordert Hilfsmaßnahmen. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten NGG hält die Probleme hingegen für hausgemacht.

Die Betriebsnachfolge als Sollbruchstelle
Fritz Engelhardt, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga teilte dazu mit: „47 Prozent der von uns befragten Dorfgasthaus-Wirte, bei denen die Betriebsnachfolge ansteht, haben keinen Nachfolger.“ Die Betriebsnachfolge sei die Sollbruchstelle. Und der Trend nehme zu. Ein drastisches Beispiel ist das frühere Sternerestaurant die „Alte Post“ in Nagold, das Ende Oktober nach 350 Jahren den Betrieb einstellte. Im Landkreis Calw ist das jedoch kein Einzelfall. 2018 wurden dort nach Daten des Statistischen Landesamtes 121 Gastgewerbe abgemeldet, allerdings gab es nur 92 Anmeldungen.

„Wir sehen es als Alarmzeichen, dass in konjunkturell günstigen Zeiten Angebote wegbrechen“, kommentiert Fritz Engelhardt. „Die Umsätze steigen, aber die Erträge sind rückläufig.“ Daher fordert er Hilfe vom Land: „Wo kein Wirtshaus, da keine Touristen. Sinnvoll wäre deshalb eine Investitionsförderung vom Land.“ Der Dehoga denkt an eine Eigenkapitalhilfe, damit es potenzielle Nachfolger einfacher haben. Ein ähnliches Programm hat es bereits vor zehn Jahren schon einmal gegeben. Damals wurden laut Tourismusministerium 1,5 Millionen Euro Landesmittel gewährt, um die Zinsen zu senken. Wie der Verbandsvorsitzende sagt, hätte das ein enormes Investitionsvolumen von über 100 Millionen Euro in Gang gesetzt. Solche Investitionen könnten seiner Ansicht nach auch jetzt helfen. „Die Gasthäuser müssen auch für die Mitarbeiter attraktiv bleiben.“ Größe schaffe neue Möglichkeiten auch bei den Arbeitszeiten, weil dann zum Beispiel in mehreren Schichten gearbeitet werden kann.

Aktuelle Probleme in der Gastronomie: hausgemacht?
Anders beurteilt hingegen die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten die Lage. Sie bezweifle, dass solche einmaligen Investitionen die Lösung sind. Die Probleme – insbesondere die Personalnot – seien hausgemacht, argumentiert Gewerkschaftssekretär Alexander Münchow. Die Gastwirte hätten sich zu wenig um Änderungen bei den Arbeitsbedingungen gekümmert.  „Wer für einen Knochenjob kaum mehr als den Mindestlohn zahlt, muss sich nicht wundern“, sagt er. Denn auch die Beschäftigten müssten höhere Stromkosten und steigende Mieten stemmen. Personalnot sei letztlich auch im Falle der „Alte Post“ in Nagold der Schließungsgrund gewesen, wie Chefkoch Stefan Beiter im Herbst angab.

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