
Yaletown hingegen ist das Viertel mit geballtem Stil und Können, die sich gleich auf den ersten Blick erschließen. Startpunkt kann die Homer Street sein, eine Café-Bar, die es so auch nur in Nordamerika gibt. Die Königsmeile ist Hamilton Street, ein Industriezentrum aus dem 19. Jahrhundert. Es wurde sehr geschmackvoll auf eine Ausgehmeile rekonzipiert, bei der die Restaurants dicht an dicht in großer Bandbreite im ersten Stock stehen, natürlich mit großen Terrassen, während auf der Fußgängerpassage darunter die Einheimischen ihre neuen Outfits zeigen.
Stipendien zu vergeben
Um das Vermächtis seines verstorbenen Vizepräsidenten zu ehren, etablierte Hy‘s 2018 das John Aisenstat Memorial Scholarship, mit dem Studierende in den Bereichen Gastronomie, Kulinarik und Hotelmanagement gefördert werden.
Der Sauerteigbrotladen 123Dough sieht auf den ersten Blick aus wie ein Kosmetiktempel und auf den zweiten wie eine Teestube. Es gibt Pubs, moderne kanadische Gastronomie, mit dem Flying Pig eine Mischung aus Hausmannskost mit Bison, Muscheln sowie Drinks und mit dem Blue Water Café das beste Restaurant der Stadt für Fisch und Meeresfrüchte. Dem Michelin ist es zur Empörung der Locals zwar nur eine Empfehlung und keinen Stern wert, aber dafür ist es jetzt preislich noch erschwinglich.
Der Arktische Saibling (Yukon Arctic Char) ist eine Spezialität der Region. Für 40 Euro gibt es die Seafood-Tastingplatte für zwei Personen, die Dungeness Crab mit Beurre Blanc und Vermouth, Shrimpssalat, Jakobsmuschelceviche mit Crunch und einem Hauch Kokosmilch, Tartar vom Weißen Thun mit Nori-Tempura und eine herausragende Terrine vom geräucherten Rotlachs (Sockeye Salmon) bietet, der einem in Vancouver überall begegnet. Das Plating ist elegant und geradlinig, die Portionen großzügig, Butter, Schmalz und ein Dip aus Artischocken und weißen Bohnen feine Dreingaben. Das Brot auf Sauerteigbasis ist selbst gebacken.
Vancouver Island
Inselhopping mit dem kanadischen Transportmittel der Wahl, dem Wasserflugzeug, dauert 30 Minuten von Innenstadthafen zu Innenstadthafen. Die Fähre braucht einen halben Tag, kostet aber auch nur 15 Euro. Auf Vancouver Island liegen das weltberühmte Tofino mit dem Wickaninnish Inn und Victoria, die Hauptstadt von British Columbia.
Dort wurde das Marilena, ein Fisch- und Meeresfrüchterestaurant mit hervorragenden Produkten und Weinkarte, gerade zum besten neuen Restaurant des Landes gewählt. Dann gibt es noch das Zambri’s, das sich der italienischen Küche widmet und ein Nachbarschaftsrestaurant von der Art ist, das hierzulande zunehmend schwieriger umzusetzen ist. Chefkoch Peter Zambri wurde im letzten Jahr zum „Tastemaker of the Year“ gewählt und hauchte der entspannteren Foodszene von Victoria frisches Leben ein. Er war mehrere Jahre in Europa, u. a. bei Anton Mosimann, dessen Cuisine Naturelle für ihn laut eigener Aussage sinnstiftend wurde.
ECHT SEHENSWERT: DIE SKYLINE AUS DER LUFT BEI EINEM PANORAMAFLUG.
Zurück in Kanada pochierte er Kohlenfisch (Sablefish), einen weiteren lokalen Liebling, in Kamillentee und Möhrensaft, legte Kräuterbeete an, etablierte aber auch eine wöchentliche Pizzanacht. Als Antipasto ein Entenei auf weicher Polenta mit Salbeibutter und Guanciale für 6 Euro, als Hauptgericht hausgemachte Pappardelle mit Wildschweinragout und Pecorino für 25 Euro, dazu Weinempfehlungen aus Italien und aus der eigenen Region. Ein durchgängiges und im Grunde einfaches Konzept, das aber immer öfter seinesgleichen sucht.
Apropos Wein: Etwa 250 Weingüter und neun ausgewiesene Weinregionen gibt es mittlerweile in British Columbia. Aus dem größten Anbaugebiet, dem Okanagan Valley, kommen wuchtige Rot- und frische Weißweine. Auf Vancouver Island werden auch Bubbles hergestellt. Im Fraser Valley am Stadtrand von Vancouver bringt die kühle Luft vom Pazifik und die fruchtbare Erde fruchtbetonte Weine hervor.
GUT ZU WISSEN
- Für die Einreise wird eine elektronische Genehmigung benötigt, die an den Reisepass gekoppelt ist. Dieses sogenannte ETA-Visum lässt sich für 7 kanadische Dollar problemlos auf Deutsch über die offizielle Regierungsseite (www.canada.ca) beantragen. Wesentlich teurer wird’s im Reisebüro in Zusammenhang mit der Flugbuchung, erst recht bei nichtoffiziellen Visum-Seiten, die für eine solche Aktion bis zu 100 Euro aufrufen und sie als nichtexistenten Service deklarieren. Da die Genehmigung einige Tage dauern kann, am besten gleich nach der Flugbuchung (diese wird abgefragt) beantragen. Sie bekommen ein Bestätigungsmail.
- Vancouver startet früh in den Abend, meist mit einer Happy Hour um 17 Uhr. Um 18 Uhr sind die Restaurants bereits zum ersten Mal voll. Küchen schließen spätestens um 23 Uhr, häufig früher, Bars natürlich ausgenommen.
- Trinkgeld: Bis zu 20 Prozent in Restaurants, 10 bis 15 Prozent für Taxen und Dienstleistungen wie Bringdienste, Friseur etc.
- Für einen gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr hat Kanada kein Geld. Uber und Taxen an jeder Ecke sind eine gute Alternative zum Fußmarsch und wesentlich erschwinglicher als hierzulande.
- Die Lage in einem gemäßigten Küstenregenwald, so die geografische Bezeichnung, bedeutet, dass es häufig regnet. Ab Oktober sollten wasserfeste Sneaker und ein wasserabweisender Mantel mit Kapuze (kein Chance für Schirme) ins Gepäck. Belohnt wird man mit wunderbarster, klarer Luft. Schnee im Winter oder Temperaturen unter dem Gefrierpunkt sind selten, es ist das lebenswerteste Klima Kanadas.
- Gibt es Bären? Ja. Viele? Oh, ja!
- Wenn Sie sich für die Lebensweise und Kunst der Ureinwohner (First Nations bzw. Indigenous People) interessieren, sind das Museum of Anthropology in Vancouver und das Royal BC Museum in Victoria sehr gute Anlaufstellen.
- Vancouver ist ein sehr sicheres Reiseziel. Allerdings sind die Auswirkungen der liberalen Drogenpolitik des Landes nicht zu übersehen. Unweit des Trendviertels Main Street und der Touristendestination Gastown vegetieren in der Downtown Eastside (speziell East Hastings Street) tausende Fentanylabhängige auf den Straßen. In kleineren Gruppen finden sie sich stadtweit auch vor Krankenhäusern. Fentanyl zerstört die Gehirnzellen und lässt Süchtige völlig unvorhersehbar handeln. Deshalb empfiehlt sich folgende Verhaltensweise: nicht reagieren, nicht ansprechen, kein Geld geben. Falls Ihnen das Herz schwer wird: Die Süchtigen bekommen Fentanyl – und ein Starthandy – kostenlos.
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