Kreditkartengebühr auch fürs Trinkgeld
Das gilt speziell auch für die Kartenabrechnung. „Trinkgelder müssen separat erfasst und wie vereinbart verwendet werden. Es darf nicht zu einer Vermischung von baren und unbaren Geldbeständen und damit zu falschen Kassenbeständen kommen.“ Darüber hinaus, so Benad, sei zu berücksichtigen, dass bei Kartenzahlungen sogenannte Transaktionsgebühren auf den Gesamtumsatz erhoben werden – der Gastronom zahlt also auch fürs Trinkgeld die Gebühren, die bei Kreditkarten oder Girocard fällig werden.
Jürgen Benad merkt an, dass viele Gäste Trinkgeld immer noch in bar geben, auch wenn die Rechnung mit Karte beglichen wird. Außer Frage steht, dass elektronische bzw. digitale Zahlungsweisen zunehmen, auch laut DEHOGA. „Der Anteil der Bargeld-Umsätze sinkt. Immer mehr Menschen sind bargeldlos unterwegs und bezahlen mit der Karte oder dem Handy“, sagt Rechtsanwalt Benad. Die Integration von Trinkgeld-Optionen auf modernen Kartenterminals sei Ausdruck dieser Entwicklung. „Ob und in welcher Höhe ein Gast Trinkgeld gibt, ist und bleibt eine persönliche Entscheidung.“
„Die goldene Mitte“ trotz Wahlfreiheit
Stimmt zwar, aber nicht wenige Gäste fühlen sich dennoch gewissermaßen bevormundet oder gar entmündigt, wenn sie per Knopfdruck einer vorgegebenen Trinkgeldhöhe zustimmen sollen.
Meist werden auf den „Kassier-Geräten“ fünf, zehn oder 15 Prozent Trinkgeld vorgeschlagen, bisweilen auch zehn, 15 oder 20 Prozent. Dass Gäste dabei zur mittleren Option neigen, ist wohl kein Wunder. Man spricht von Nudging, wenn Menschen subtil zu bestimmten Entscheidungen (Stichwort: „goldene Mitte“) gelenkt werden, obwohl Wahlfreiheit besteht.
Es bleibt die Frage, ob die Bereitschaft zum Trinkgeld und dessen Höhe im Vergleich zu früher zu- oder abnehmen. Weil Trinkgeld für Gastro-Personal bekanntlich ein bedeutender Faktor ist, zeigen sich viele Gäste nach wie vor großzügig. Andererseits haben immer mehr Menschen aufgrund steigender Kosten selbst weniger in der Tasche und sparen dann eben beim Obolus, wie es auch aktuelle Studien belegen. Besonders betroffen von dieser Tendenz sind demnach wohl Taxifahrer, Handwerker oder auch Pflegekräfte. Beim Friseur und im Gasthaus ist Trinkgeld weiterhin üblich.
Laut einer Untersuchung der Hochschule Fresenius legen 82 Prozent der Deutschen im Restaurant etwas drauf, bei geliefertem Essen sind es 66 Prozent, für Reinigungskräfte im Hotel halten 54 Prozent der Gäste ein paar Euro bereit. Dass in Fast-Food-Lokalen und Imbissen Trinkgeld zunehmend ausbleibt, brachten weitere Umfragen zutage. Grundsätzlich gilt: Im Lokal sind weiterhin etwa fünf bis zehn Prozent „Zugabe“ üblich. Dabei hört man übrigens immer häufiger: Die Gäste finden es durchaus richtig, wenn ein Teil des Trinkgelds auch bei den Beschäftigten im Hintergrund, also etwa in der Küche, ankommt.

Ein notwendiger Faktor fürs Auskommen
Dass die Kartenzahlung mittlerweile etabliert ist, erkennt NGG-Gewerkschafter Mark Baumeister: „Viele Menschen gehen zu bargeldloser Zahlung über. Bevor sie das letzte Kleingeld als Trinkgeld geben, runden sie auch bei Kartenzahlung einfach auf. Vorgaben auf Kartenlesegeräten werden allerdings von vielen als Gängelung empfunden.“
Trinkgeld sei nach wie vor eine direkte Belohnung für ein tolles gastronomisches Erlebnis. „Viele Gäste wollen sich jedoch die Entscheidung, ob und wieviel sie an Trinkgeld geben, nicht vorschlagen lassen.“
Als Gewerkschafter verweist Baumeister auch auf die Tatsache, dass nur rund 35 Prozent der Beschäftigten nach Tarif entlohnt würden. Da sei das Trinkgeld ein bedeutender Faktor, der für den Lebensunterhalt fest mit eingeplant wird. „Ob der Kühlschrank am Ende des Monats voll oder vielleicht auch mal ein Urlaub drin ist, entscheidet sich in der Gastronomie oft am Trinkgeld.“
Nicht zuletzt deshalb hat die Gastro-Gewerkschaft am „Welt-Trinkgeld-Tag“ (21. Mai) an die Leute appelliert, beim Obolus „nicht zu knausrig zu sein“. Hierzulande nimmt man sich das offenbar zu Herzen, weil nach wie vor gilt: Im Vergleich zu Nachbarländern zeigt sich Deutschland beim Trinkgeld am großzügigsten.
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