Mehr Wert im Glas
Zwischen Mini-Highballs, Pilzextrakt-Kaffee und Zebra Drinking: Was jetzt auf die Karte gehört
von Gabriele GugetzerAlkoholfreier Wein wird langsam salonfähig“, ist Maximilian Wilm, vielfach ausgezeichneter Sommelier und Betriebsleiter im Kitchen & Wine direkt bei der Elbphilharmonie in Hamburg, fest überzeugt. „Für die gehobene Gastronomie ist er aber noch am Anfang. Mein persönlicher Favorit ist das Projekt Haardt Hills aus der Pfalz.“ Von wegen schmeckt nicht: Riesling, Chardonnay und Rosé vom Weingut haben es bereits in James Sucklings Tasting Notes geschafft.

Regionalität, Nachhaltigkeit, Bio
Auch diese sind Trendthemen, weiß Wilm. „Die Nachfrage nach deutschen Weinen hat in den letzten Jahren extrem zugelegt. Auch bei Spirituosen findet man mittlerweile für nahezu alle Produkte regionale Spezialitäten“. Und was ist mit Biowein? „Ich merke, dass viele Gäste da noch zu oft an Naturwein denken. Dieser Begriff ist ja bis heute nicht geschützt. Hier können wir als Branche noch mehr zur Aufklärung und Akzeptanz beitragen.“
Das Thema Nachhaltigkeit läuft ebenfalls. Grapos hat Produkte in Bio-Qualität, zuckerfrei und vegan entwickelt; vegan, so das Unternehmen, sei ein fester Bestandteil der Mainstream-Gastronomie geworden. Der Gastronom kann unter knapp 100 Postmix-Konzentraten für analoge Geräte oder den Schankomat auswählen. Leergut gibt’s nicht, verwendet wird frisches Wasser, die Container für die Konzentrate sind zu 100 Prozent recycelbar, was in Kombination laut einer aktuellen Studie der TU Graz für einen enorm reduzierten ökologischen Fußabdruck sorgt.

Klassiker neu gedacht
Die Königin des Weinjournalismus, Jancis Robinson, macht dagegen keinen Hehl aus ihrer Ablehnung von entalkoholisierten Weinen. Weinaromen seien einfach zu subtil für einen Gang durch die Schleuderkegelkolonne. Dabei hätten wir in Deutschland mit unseren Kabinetts ja die natürlich alkoholleichten Alternativen – auch Maximilian Wilm empfiehlt einen Riesling Kabinett. Mit einem Alkoholgehalt zwischen 7 bis 9 Prozent bei gleichzeitiger Komplexitität im Geschmack seien sie spannend als Pairing und gleichzeitig erfrischend.
Und dann ist ja noch Verjus, ein Thema mit sehr langer Tradition, das immer mal wieder als Trend aufploppt, wie auch gerade aktuell. Vielleicht ist es da nicht überraschend, dass sich Deutschlands ältestes Weingut in Familienbesitz nun ebnso dem Verjus widmet. Prinz Salm hat ihn neu als eine Sparkling-Variante am Start, mit natürlicher Säure und feiner Perlage – ideal für den Barbereich und als Essensbegleiter.
