So schmeckt 2026
Vielfalt, Haltung und Genuss mit Mehrwert – Speisekarten werden in diesem Jahr von vielen starken Signalen geprägt
von Karoline GiokasDie Gastronomie verabschiedet sich 2026 von einzelnen, alles überstrahlenden Foodtrends. Laut der internationalen Trendforschung von Mintel und der Analysen von Karin Tischer (food & more) rücken stattdessen Zutaten, Zubereitungen und Formate leise, aber nachhaltig ins Rampenlicht. Pilze werden zur Hauptzutat, Tee findet seinen Weg in herzhafte Gerichte, Kaviar wird neu interpretiert und eingesetzt. Essen wird persönlicher, diverser und bewusster – nicht als Verzicht, sondern als Bereicherung.
Die Entwicklung basiert auf einem veränderten Gästeverständnis: Genuss soll sich gut anfühlen, neugierig machen und zu Lebensstil, Budget und Alltag passen. Gastronomen können sich hier über Haltung, Storytelling und ein klares Profil differenzieren.
Sharing, Snacks und Solo-Dining: Neue Essgewohnheiten
Fünf kleine Gerichte statt eines Hauptgangs: Sharing-Konzepte passen zum Wunsch nach Abwechslung, Gemeinschaft und Flexibilität und funktionieren vom Business-Lunch bis zum geselligen Abend mit Freunden. Auf dieses veränderte Essverhalten verweist u. a. Natalie Seifert, Head of Marketing bei Orderbird, die Sharing-Formate als wirtschaftlich sinnvoll und gästeorientiert einstuft.
Kostendruck
ist kein Kreativitätskiller. Wer Charakter zeigt, bleibt im Kopf der Gäste
Gleichzeitig gewinnen Snacks massiv an Bedeutung. Sie sind hochwertig, kreativ, oft international inspiriert und auch wirtschaftlich recht attraktiv. Der von food & more entwickelte „Snackkompass“ zeigt: Snacks sind beileibe kein Nebenschauplatz mehr, sondern Wachstumstreiber. Sie ermöglichen Zusatzumsätze, sprechen unterschiedliche Zielgruppen an und sie lassen sich hervorragend inszenieren. Kleine Genussmomente mit hoher Qualität punkten jetzt. Parallel dazu wächst laut Jochen Pinsker, Industry Advisor Foodservice Europe bei Circana, das Solo-Dining. Immer mehr Menschen essen allein außer Haus. Konzepte mit flexiblen Portionsgrößen, klaren Abläufen und mitnahmefähigen Angeboten treffen hier den Nerv der Zeit.
Pflanzlich neu gedacht: Vom Ersatz zum Hauptdarsteller
Die pflanzenbasierte Küche erfährt dabei eine entscheidende Weiterentwicklung: Vegane und vegetarische Gerichte sollen nicht länger nur Ersatz, sondern eigenständige kulinarische Statements sein. „Ein logischer nächster Schritt einer bereits etablierten Nachfrage“, so Natalie Seifert von Orderbird.
2026 geht es weniger um den nächsten Hype als um Konzepte, die langfristig funktionieren – für Gäste, für Teams und für Betriebe
Antje de Vries, Mitgründerin der Culinary Identity Agency, beobachtet den anhaltenden Fokus auf Protein und wünscht sich mehr Blick auf Hülsenfrüchte, Pilze, Algen oder regionale Getreidesorten, da diese Genuss mit Gesundheits- und Nachhaltigkeitsaspekten verbinden. Für die Gastronomie bedeutet das: weniger Dogma, mehr Kreativität. Wer pflanzliche Gerichte mit Charakter, Geschmackstiefe und Story anbietet, bedient längst nicht mehr nur eine Nische.
