Ein Hotel, das immer weiterwächst
Foto: PURS

Ein Hotel, das immer weiterwächst

Familie Doetsch entwickelt das PURS in Andernach zu einem außergewöhnlichen Hospitality-Resort weiter

von Karoline Giokas
Dienstag, 28.07.2026
Artikel teilen: 

Wer mit Phillip Doetsch über das PURS spricht, merkt schnell: Dieses Projekt war nie als einzelnes Boutiquehotel gedacht. Vielmehr entwickelte sich aus einer Idee Schritt für Schritt ein ganzes Hospitality-Ensemble mitten in der historischen Altstadt von Andernach. „Eigentlich sollte das damals nur ein italienisches Restaurant werden“, erzählt Doetsch lachend. Doch dann kam eins zum anderen.

Eingangstor und White Lobby im PURS
Im Herzen des historischen Andernach am Rhein empfängt das PURS, exklusives Mitglied von Relais & Châteaux. Gäste tauchen hier in eine Symbiose aus jahrhundertelanger Geschichte, avantgardistischem Design und leisem Luxus ein. Foto: PURS

Nach und nach kaufte die Familie weitere Grundstücke rund um die historische Alte Kanzlei dazu. Heute gehören neben dem PURS mehrere Restaurants, Eventflächen, Hotels und weitere Entwicklungsflächen zum Familienprojekt. Das Herzstück bleibt die Alte Kanzlei – ein denkmalgeschütztes Gebäude von 1677, das einst als Rats- und Kanzleigebäude des Kurfürsten von Köln diente. Bei der aufwendigen Restaurierung wurde die historische Substanz erhalten und durch einen modernen Neubau ergänzt. „Die Herausforderung ist, Historie weiterzuführen, ohne museal zu wirken“, erklärt Phillip Doetsch. „Gerade in einer Altstadt wie Andernach bewegt man sich ständig zwischen Denkmalschutz, Erhaltungszonen und moderner Weiterentwicklung.“

Die Verbindung von Alt und Neu scheint im PURS fast spielerisch zu gelingen. Historische Mauern treffen auf ruhige, reduzierte Architektur, großzügige Sichtachsen und einen Innenhof, der als stiller Rückzugsort mitten in der Stadt dient.

Restaurant im Purs
Gedämpftes Licht, dunkle Naturmaterialien und kleine, fein komponierte Gerichte wie Sashimi von der Dorade mit Yuzu-Vinaigrette oder Wagyu-Burger mit Kimchi-Mayo bietet Peter Fridén im PURS Restaurant. Foto: PURS

Wabi-Sabi statt lauter Luxus

Seinen unverwechselbaren Charakter verdankt das PURS vor allem dem belgischen Designer und Antiquar Axel Vervoordt. Es ist das weltweit erste Hotel, das dieser vollständig als Gesamtkunstwerk gestaltet hat. Inspiriert vom japanischen Wabi-­Sabi-Gedanken entstand ein Ort, der die Schönheit des Unvollkommenen zelebriert – reduziert, warm und zutiefst atmosphärisch.

Anheimelnde Erdtöne, handverarbeitete Oberflächen, strukturierte Wände, geöltes Holz und Naturstein prägen die Räume. Nichts glänzt aufdringlich, nichts wirkt inszeniert luxuriös – und genau darin liegt die Raffinesse. Statt Opulenz dominieren hier Haptik, Materialität und Stille.
Im Restaurant schimmern die Wände in einem tiefen, erdigen Rotton. Laut Phillip Doetsch wurde die Farbe insgesamt achtmal aufgetragen, bis die gewünschte Wirkung erzielt war. Massive Holztüren, maßgefertigte Einbauten, antike Möbelstücke und bewusst sichtbare Patina schaffen eine wohnliche Atmosphäre.

Zimmer und Bad im PURS
Insgesamt elf Zimmer laden dazu ein, die Seele baumeln zu lassen. Das Ambiente: außergewöhnliche Architektur kombiniert mit der aufs Wesentliche konzentrierten Wabi-Sabi-Philosophie. Foto: PURS

„Nichts wurde hier dem Zufall überlassen“, betont Doetsch. „Es geht um Materialien, Licht, Haptik – und darum, wie sich ein Raum anfühlt.“ Vor allem die Zimmer im historischen Altbau ­haben es ihm angetan. Kein Grundriss gleicht dem anderen. Dachschrägen, historische Fensterachsen und verwinkelte Raumstrukturen treffen hier auf klare Linien, natürliche Stoffe und fein kuratierte Kunstobjekte. In manchen Suiten öffnet sich der Blick auf den Andernacher Dom, andere wirken wie stille Rückzugsorte unter alten Holzbalken.

Auch die öffentlichen Räume erzählen ihre eigenen Geschichten – ein italienischer Spiegel aus dem 18. Jahrhundert über dem Kamin, Skulpturen des belgischen Bildhauers Dominique Stroobant, japanische Tuschearbeiten von Sadaharu Horio oder eigens von Axel Vervoordt entworfene Nussbaumtische. Jeder Raum erscheint sorgfältig komponiert – und gleichzeitig angenehm unaufgeregt.

Weitere Artikel aus der Rubrik Stars & Legends

Artikel teilen:
Überzeugt? Dann holen Sie sich das HOGAPAGE Magazin nach Hause!